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5-MINUTEN-SCHREIBEN – Susana Ber

Wenn Übung zum Spass wird.

Ich mag diese 5-Minuten-Schreibübungen.

Bei einem unserer Schreib-treffen war die Aufgabe aus dem Büchlein „642 tiny things to write about“:

Beschreibe einen Moment oder ein Ereignis, dass dich entweder mehr oder weniger religiös oder spirituell gemacht hat.

Und hier das Ergebnis.
Es ist immer interessant, wenn man mal anfängt zu schreiben, wie das Gehirn dann alles aus dem tiefen Keller herauskramt.

Überraschung am Telefon
Spirituelle Momente gibt es immer wieder mal. Momente, in denen man sich fragt, ob man im falschen Film ist, oder ob es das nun wirklich gegeben hat. 

Ich habe zum Beispiel mal zum Telefonhörer gegriffen und wollte meinen Papa anrufen. In dem Moment, als ich den Hörer an mein Ohr setzte und meinen Finger auf die Tastatur legte, um seine Nummer einzutippen, da hörte ich jemand in der Telefonmuschel sprechen.
„Hallo Susana, wie geht es Dir?“ Mein Vater!
Ich war vollkommen verdattert und fragte: „Was machst Du denn in der Leitung?
Er war erstaunt und meinte nur: „Ich habe Dich doch angerufen.“
Es hat aber bei mir gar nicht geklingelt. Das fand ich sehr merkwürdig. Oder sollte es schlicht und einfach heißen, dass wir vorher schon telephatisch verbunden waren, dass ich gar nicht mehr auf das Klingeln des Telefons warten musste?
So etwas ähnliches ist mir ein zweites Mal passiert, mit einer Freundin.
Ich sehe gerade die Decke auf meinem Flügel und denke mir: „Die muss ich aber auch mal wieder waschen.“
Da sagt sie: „Also, die Decke, die musst Du auch mal wieder waschen“
Liegen solche Sätze in der Luft? Haben da zwei Menschen darauf Zugriff, auch wenn sie tausende von Kilometern entfernt sind? Eine spannende Frage, die ich gerne weiter beobachten will, um meine Intuition zu schärfen.

Soweit die erste Übung.

5 – Minuten – Faule Eier

Bei faulen Eiern denke ich an alte Bauernhöfe, als man die Eier noch in der Kalklake aufbewahrt hat. Da mag das ein oder andere Ei dann schon mal schlecht geworden sein.
Wobei ich mir auch vorstellen kann, das man einen faulen Jungen auch als „faules Ei“ bezeichnen könnte. 

 

Faulsein ist ja manchmal etwas Schönes, da liegt man so rum, schaut in den Himmel, man sieht den Wolken zu, wie sie sich bewegen oder auch nicht. Und da kann ich mich mir vorstellen, wie ich im Gras in einer Wiese liege und das ein oder andere Summ-Tier um mich herum schwirrt.
Ich sehe mich, wie ich die Hände hinter dem Nacken verknotet habe und mit übereinander geschlagenen Beinen nur so daliege, einen Kornhalm im Mund, der durch meine Kaubewegungen nach oben und unten wackelt.
Dabei denke ich sicher nicht an faule Eier, denn bei dem Gedanken zieht sich mir ein Geruch in die Nase und ich merke, wie ich meine Nasenflügel nach oben ziehe. Ich würde mir am liebsten gleich noch mit den Fingern die Nasenlöcher zuhalten.

„Iiihhh gitt – igittigittigitt… bäh“. 

Da wird mir auch schon übel von dem faulen madig warm dampfenden Geruch, der gar nicht da ist und ich setze mich auf.

Fazit: Faulenzen und dabei an faule Eier denken sind nicht kompatibel!

Ein 5-Minuten-Geschenk.

Es war das erste richtige Geschenk, dass ich je bekommen habe: ein einfaches Poster . 

Eigentlich war es nichts besonderes, und doch war es unglaublich besonders. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, mein Vater hat mich wahrgenommen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich von ihm ein Geschenk bekommen, das wirklich mit mir zu tun hat, ein Geschenk, das mich mit etwas verband, was ich gerne hatte. Es hat mich sogar mit einem Gefühl verbunden, mit etwas, das ich liebe und gleichzeitig einstand dieses Band der Liebe zu ihm: 
Er hat mich gesehen. Er hat mich verstanden. Er hat sich zum ersten Mal in mich reinversetzt und hat mir mit diesem einfachen Poster gezeigt, dass er mich liebt. 

Sonst mussten es immer große Geschenke sein, auf Teufel komm raus, Hauptsache man hat Geld ausgegeben, auch wenn mir die Sachen gar nicht gefallen haben. 
Diesmal hat er mein Herz berührt: mit einem simplen Poster. 

Es zeigt einige Ochsenkarren, die durch den Sand gezogen werden. Es war keine bäuerliche Szene, es war eine besondere Szene: es war eine Wallfahrt. Ein Miteinander. Es zeigt eine Gruppe Menschen, die ein Ziel haben. Es zeigt eine Gruppe Menschen, die Werte leben, die sich gemeinsam auf den Weg machen, um zu singen, zu beten, zu tanzen. Menschen die bereit sind, miteinander zu gehen, um gemeinsam am Ziel anzukommen, ganz egal, wie der Weg auch sein wird: staubig, nass mit kalten Nächten und heißen Tagen. 

Egal – sie haben vieles gemeinsam, aber vor allem eins: Ankommen am Ziel Ihrer Wünsche, ankommen bei sich selbst und eins sein mit allen. 

Wie ich in diesen 5 Minuten mit meinem Vater.

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